Der Tiger trinkt Tee

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Wer seit seiner Geburt schwarzen Tee trinkt, sein Architekturatelier in ein Teehaus umbaut und morgens um sechs aufsteht, um draußen auf dem Acker die Minze für frischen Tee zu pflücken, der ist verrückt nach Tee. Manu Kumar hat es damit ziemlich weit gebracht: er hat seine eigene, unverwechselbare Teemarke geschaffen.


 

Tiger haben mit Tee ja bekanntlich so viel zu tun, wie Elefanten mit Petit Fours. Aber: sie jagen ihre Beute, kompromisslos. Und stehen auch mal ‘ne schwierige Situation locker durch. Manu Kumar ist ziemlich kompromisslos, wenn es um guten Tee geht. Daraus ein sich gut tragendes Geschäft zu machen, das mehr ist als ein Hobby, ist alles andere als einfach. Ein Blick ins Teeregal eures Supermarkts und ihr ahnt: die Plätze da drin sind hart umkämpft. Es gibt Tee für gute Laune, Tee für kleine Druiden und Tee mit Schutzengel-Versprechen und noch so vieles mehr.

Manu Kumar spielt nicht in dieser Liga. Seine Teegläser zieren keine bunt-romantischen Illustrationen und er gibt sich auch gar keine Mühe, sich phantasievolle Namen auszudenken. Seine Teesorten heißen schlicht: Tuareg Mint oder Masala Chai.

Manu Kumar auf der Domäne Dahlem

Gar nicht lebensmüde und auch auf dem Land zuhause — anders als der junge Mann auf seinem T-Shirt: Manu Kumar beim Ernten der Nanaminze auf der Domäne Dahlem

Warum Business Pläne auch nicht die Lösung sind
Sich vorher gut zu überlegen, welche Kosten man stemmen muss, wo das Geld herkommen wird und wann die Hürde des “Break even” in Reichweite rückt, ist ja grundsätzlich nicht so verkehrt. Manu Kumar ist da nicht so systematisch rangegangen. Zum Glück, sagt er heute. Denn wenn er schon von Anfang an mit spitzem Bleistift gerechnet hätte, wäre wohl nie die Qualität dabei herausgekommen, die er heute so schätzt. Auch wenn der Preis dafür ist, dass die ManuTeeFaktur lange ein teures Hobby war und er noch nicht sorglos davon leben kann.

“Erstmal anzufangen” — dieses ebenso pragmatische wie leicht naive Vorgehen hat Manu Kumar dahin gebracht, wo er heute steht. Tee hat er quasi schon sein ganzes Leben lang gekocht und noch länger getrunken. Und das mit ziemlich viel Leidenschaft. Und so gut, dass die Freunde und Kollegen, die er nebenbei so mitbekocht hat, irgendwann Schweißtropfen auf der Stirn bekamen, wenn er eine Reise ankündigte. Ob er denn bitteschön einen Vorrat da lassen können? baten sie ihn. Und so hat Manu Kumar schnell gemerkt, dass er Talent für Tee hat. Nach und nach erweiterte sich der Kreis: Freunde von Freunde fragten nach, das Café im Vorderhaus — einer Weiterempfehlung folgte die nächste. Bis sich der Architekt und Künstler  vor rund zwei Jahren ganz dem Tee verschrieb und aus seinem Atelier, Büro und Coworking-Space am Paul-Lincke-Ufer, nahe am Kottbuser Tor, seine Werkstatt, Teeküche und ein Café machte.

Warum man auch mal Nein zu schnellem Wachstum sagen sollte
Die ManuTeeFaktur ist dann seit der Gründung rasch gewachsen. Um das einfach mal an der Größe der Töpfe festzumachen: war der Topf zum Teekochen anfangs nur fünf Liter groß, brauchte er ziemlich schnell immer größere. Innerhalb des zwei Jahre seit der Gründung wurde so aus dem Fünf-Liter-Topf ein 3.000-Liter-Topf. Und die ManuTeeFaktur hätte wohl noch rascher wachsen können: so bot eine großer Biosupermarkt-Kette an, alle ihre Märkte zu beliefern. Aber Manu Kumar sagte erstmal lächelnd “Dankeschön” und winkte ab. Was bringt es, unter Zeitdruck die Produktion aufzupusten, wenn die Qualität dabei auf der Strecke bleibt?

Behutsam zu wachsen hat sich als die richtige Entscheidung herausgestellt. Denn inzwischen kann Manu Kumar in größerem Stil liefern — ohne Kompromisse bei der Qualität.

In der ManuTeeFaktur

In der ManuTeeFaktur

Warum man einfach auch mal alles selber machen muss
Okay, die tägliche To-Do-Liste von Manu Kumar bringt nicht nur Spaß sondern auch Schlafmangel, Schweiß und starke Muskeln. Denn von der Auswahl der Zutaten, der Pflege der Rezepte, der Kontakte zu den Lieferanten und Kunden bis hin zum Ausliefern der Teeflaschen und -gläser (alle aus Glas, daher die  Muskeln) hat er am Anfang alles selbst gemacht. Und sieht darin heute einen großen Vorteil: nah dran zu sein. Genau zu wissen, was in den Tees drin ist. Direkt zu erfahren, wie sie bei den Kunden ankommen und die persönlichen Kontakte zu pflegen. Und das ist unbezahlbar, um sein Unternehmen erfolgreich groß werden zu lassen, findet Kumar.

Ein Klick auf die Bilder öffnet die Galerie.

Wie man unverwechselbar wird
Ihr kennt das Teeregal in eurem Supermarkt? Und die Teekarte in eurem Café? Die Regale sind proppenvoll und die Teeauswahl in Cafés ist riesig. Keine einfache Sache, sich da noch erfolgreich reinzudrängen. Manu Kumar setzt auf zwei Dinge: gute Zutaten und ein schwarz-weißes Design, das so auffallend schnörkellos ist, das es in jedem Teeregal auffällt. Kumar, der ab zu im Lotussitz oder Kopfstand entspannt, sieht im Tee vor allem die lange weltweite Tradition und das Gute, das man seiner Gesundheit damit tun kann. Er greift bewährte Rezepte auf — zum Beispiel von den Tuareg aus Marokko oder aus der Familie seines indischen Vaters — und bei den Zutaten macht er keine Kompromisse. Auch wenn die ManuTeeFaktur wächst, macht er die Auswahl persönlich, sieht sie als das Herz des Unternehmens.

Der Tee lässt sich gut im Zuhause der ManuTeeFaktur am Kreuzberger Paul-Lincke-Ufer 44a / 2. Hof trinken, im Secret Tea House. Dort gibt es auch leckere “Live Bites” zum Tee dazu. “Open when open” ist die Devise, aber wochentags ist meist jemand da. Und Neues findet ihr auf Manu Kumars Facebook-Seite .

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