Adieu Graubrot, hallo Revolution

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Gründer / Social Business / Social Entrepreneurs / Start-up
Martin Arning_Brotliebling_Juli2015

Martin Arning, einer der Gründer vom Brotliebling

Dass er an einer kleinen Revolution bastelt, merkt man Martin Arning überhaupt nicht an. Alle haben das recht auf gutes Brot, davon ist er überzeugt. Und deshalb sollen wir unser Brot am besten selbst backen und dafür eine ganze Stange mehr Geld zahlen als beim Bäcker um die Ecke. Klingt schräg. Hat aber Charme, ich hab’s ausprobiert.

Dabei ist Martin Arning gar nicht so sehr der revolutionäre Typ. Ziemlich lakonisch und schön nüchtern erzählt er, was er und seine Mitstreiter von Brotliebling machen. Dass er unbedingt Unternehmer werden will, das war Arning nach seinem Studium ratzfatz klar. Drei Wochen lang erstmal auf eine offizielle Email-Adresse warten, das gehe gar nicht — Praktika-Erfahrungen wie diese haben ihn davon abgeschreckt, sein Glück als Festangestellter zu suchen. Und dass er als Unternehmer irgendwie mehr tun will, als schnöde Gewinn und Einkommen zu maximieren, das war ihm auch rasch klar.

Sein Bruder Johannes denkt ganz genauso und so ist „Brotliebling“ entstanden, mit inzwischen drei weiteren Mitarbeitern.

Was ich an den Brotlieblingen so mag*, ist, dass sie sich das soziale Unternehmertum nicht auf die Fahnen schreiben, sondern ein ganz „normales“ Produkt wie Brot ganz selbstverständlich nachhaltig und sozial herstellen und vertreiben.

* abgesehen davon, dass das Brotbacken so wider Erwarten einfach und das fertige Brot so köstlich ist

Hanfsaaten-Paranuss-Brot

Selbstgebackenes Hanfsaaten-Paranuss-Brot

Ein Euro für jedes verkaufte Kilo Mehl gehen an soziale Projekte wie das Bunte Haus in Hellersdorf, das gegen Kinderarmut hilft. Hinzu kommen Aktionen wie zu Thanksgiving: während Kaufhäuser und Online-Portale an ihrem „Black Friday“ mit extra dicken Rabatten locken, schlagen die Brotlieblinge an ihrem “White Friday” — wie andere soziale Unternehmen — nochmal zwanzig Prozent auf den Preis auf und geben das Geld an soziale Projekte. Die Backsets werden in einer Werkstatt für behinderte Menschen gefertigt und ein fairer, umweltgerechter Einkauf ist den Brotlieblingen ebenso wichtig wie eine klimaneutrale Produktion.

Kaufen soll man die Backmischungen der Brotlieblinge allerdings nicht vorrangig deshalb, weil man Gutes tun will, sondern weil man das Brotbacken lieb gewinnt und dafür mehr zu zahlen bereit ist, als beim Bäcker um die Ecke. Langfristig ist das wohl nachhaltiger, als an die Hilfsbereitschaft der Kunden zu appellieren.

Ich habe Martin Arning gefragt, worauf es ihm als Unternehmer ankommt und warum um Himmels willen man auch noch Brot selbst backen soll, wo es doch an fast jeder Ecke eine Bäckerei gibt. Das Brotbacken habe ich dann auch selbst ausprobiert, schaut selbst …

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